Yoga Sutras des Patanjali

Die Wissenschaft des Yoga

Maharishi Patanjali ist für einen gewöhnlichen Geist nur sehr schwer verständlich. Patanjali hat eine vollständige Aufzeichnung des Menschen vom Gröbsten bis zum Allerfeinsten erstellt. Die Yoga Sutras des Patanjali sind der vollkommenste und umfassendste Text, der je von jemandem auf der Reise ins Innere des menschlichen Wesens geschrieben wurde. Nach wie vor bleibt umstritten, aus welcher Zeit Patanjalis Text stammt. Es ist jedoch anzunehmen, dass die Sutras zwischen 5000 und 3000 v. Chr. geschrieben wurden. Sie enthalten keine Philosophie, sondern eine Schritt-für-Schritt-Methode, das eigene Sein zu erkennen.

Die „Sutras“ sind Aphorismen oder kurze Merksätze. Sie sind in vier Kapitel unterteilt. Jede Sutra hat eine tiefe psychologische Bedeutung und kann deshalb nur durch eingehende Erklärung verstanden werden. Patanjalis Yoga befasst sich mit der Befreiung des Menschen durch Meditation.
Das erste Kapitel heisst „Samadhi Pada“. „Samadhi“ ist ein Zustand vollständiger Ausgeglichenheit, man ruht zentriert und ohne Störungen im eigenen Selbst. Hier wird erklärt, was Yoga ist, worum es bei den Aktivitäten des Geistes und des Bewusstseins geht, welche unterschiedlichen Stadien von „Samadhi“ existieren und wie der Begriff “Gott“ („Isvara“) aufzufassen ist.
Das zweite Kapitel, „Sadhana Pada“, handelt von der yogischen Praxis. Zu Beginn werden die Grundvoraussetzungen genannt, Yoga zu beginnen: „Tapah Svadhyaya Isvarapranidhanani Kriyayogah“ –Selbstdisziplin, Selbststudium und Aufgabe des Ego – sind die Elemente der Yoga-Praxis. Patanjali nennt den so definierten Yoga des Handelns „Kriya-Yoga“. Patanjali-Yoga ist auch als Raja-Yoga bekannt, d.h. als Yoga-Praxis, welche darauf abzielt, den Geist zu verstehen und zu überschreiten. Das Bewusstsein ist König (Raja).

„Ashtanga Yoga“, die acht Glieder des Yoga, bilden das Herz von Patanjalis Yoga-System. Es gibt fünf geistige Hauptursachen von Leid. Davon ist „Avidya“ oder die „Unkenntnis des eigenen Seins“ Wurzel und Ausgangspunkt aller anderen Ursachen. Diese Leidensursachen werden  im zweiten Kapitel („Sadhana Pada“) erklärt. Sie können durch verschiedene Techniken, welche die Sutras erwähnen, vermindert werden. Dazu gehört auch der „Ashtanga Yoga“, welcher folgende acht Glieder umfasst:

•   Yama (Selbstdisziplin)
•   Niyama (achtsames Einhalten bestimmter Regeln)
•   Asana (Körperübungen)
•   Pranayama (rhythmische Atemübungen)
•   Pratyahara (Zurückziehen der Sinne nach innen)
•   Dharana (Konzentration)
•   Dhyana (Meditation)
•   Samadhi (Zustand vollständiger Ausgeglichenheit, man ruht zentriert und ohne Störungen im eigenen Selbst)

Im dritten Kapitel „Vibhuti Pada“ geht es um die yogischen Kräfte. Niels Bohr, der berühmte Wissenschaftler und Begründer der Quantenphysik, kam in Verlegenheit, als er die Atomstruktur ergründete. In Laborstudien verhielt sich das Atom nämlich unsinnig und jenseits jeder Logik. Das Atom war einerseits ein Teilchen und anderseits gleichzeitig eine Welle. Dasselbe verkündete bereits Maharishi Patanjali, als er über das Verhältnis von Beobachter und Beobachtetem schrieb. Im Kapitel „Vibhuti Pada“ erklärt Patanjali den Zusammenhang zwischen Dharana, Dhyana und Samadhi. Er erklärt zudem die Natur der atomaren Welt im Innern des Yogi und die daraus resultierenden Kräfte. Diese Kräfte erscheinen bloss dann übernatürlich, wenn man die ihnen zugrunde liegenden Vorgänge nicht versteht. Begreift man diese Prozesse, begreift man auch deren Folgen. Weiter erklärt Patanjali Konzepte wie die Zeit, die Bewegung der Zeit, die psychologische und chronologische Zeit sowie „Ksana“, d.h. die aktuelle Zeit oder den Moment.
Das vierte und letzte Kapitel „Kaivalya Pada“ handelt von der endgültigen Befreiung.  Erklärt wird der Unterschied zwischen Geist, Bewusstsein, Beobachten als Zeuge und Seele. Dem vollständigen Verstehen des eigenen Selbst folgt die totale Freiheit und Befreiung.


 „Übersetzung ins Deutsche: Stephan und Irene Brechbühl“

 
Thought for the Moment
By consciously  observing how many times a person uses the expression "I" in daily life can give a insight of the size of the Ego.
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